European Citizens‘ Meeting

Europäische Bürgerbegegnung

„Gemeinsam in Verschiedenheit“: Das war die EBB2026

Europäische Bürgerbegegnung in Kassel brachte Menschen zusammen

Rund 120 überwiegend junge Menschen aus Polen, Finnland, Spanien, Italien, Griechenland, Deutschland und anderen EU-Mitgliedsstaaten haben am Wochenende (10. bis 13. September) in Kassel dem aktuell politisch defensiv agierenden Europa den Marsch geblasen: „Wir wollen mehr Kooperation, mehr Solidarität, mehr Demokratie“. Klar bezogen sie Position gegen die weltweite Rechtsschwenk der Politik, gegen den Abbau von Freiheitsrechten, Vielfalt und Toleranz. Im Plenum unterstrich Kassels OB Dr. Sven Schoeller als Schirmherr des Treffens die hervorragende Eignung Kassels für ein solches Treffen, denn es liege im Zentrum Deutschlands wie Europas und habe sich immer für ein starkes Europa engagiert.

Die Teilnehmer:innen waren zur vierten Auflage der „Europäischen Bürgerbegegnung“ angereist, die von der Europa-Union Kassel e. V., örtliche Niederlassung der europäischen Bürgerbewegung mit dem Ziel eines vereinten Europas, alle zwei Jahre ausgerichtet wird. Unter den Gästen waren einige Bürger:innen aus Kassels Partnerstädten, untergebracht waren sie bei örtlichen Gastgebern. Die integrierte Jugendbegegnung wurde von sesam e. V. organisiert. 

Zu Beginn wurden sie von Organisationschef Christopher Overkamp und einem vielköpfigen Helferteam willkommen geheißen, am zweiten Tag schwärmten sie in Workshops und Exkursionen aus. Hier war die Themenvielfalt groß, stets wurde aber der Bezug zu Europa gefunden:

Die Europäische Union ist nicht das vielbeschworene Bürokratiemonster, aber kompliziert sind die politischen Entscheidungsprozesse schon, stellten die Teilnehmer:innen des Workshops „Wer regiert die EU? Gegenwart und Zukunft der europäischen Gesetzgebung“ fest. Für das abschließende Plenum bereiteten sie die Verfahren übersichtlich auf und zeigten auch, dass das EU-Parlament eine wichtige und demokratiefördernde Rolle spielt. „Flucht, Migration und Integration“ bewegen alle Gesellschaften in Europa. Daher durfte dieses kontroverse Thema nicht fehlen. Die Teilnehmer:innen beklagten die stark von einander abweichenden Flüchtlingspolitiken in Europa sowie die ineffiziente Steuerungsfähigkeit der EU und forderten eine Flüchtlingspolitik, die Menschenrechte sichert und Integration nicht als Restgröße sieht. Die positiven Aspekte einer vielfältigen Gesellschaft wurden besonders im Workshop „Kulturelle Mehrfachzugehörigkeit als Ressource“ deutlich. Um gemeinsame Kooperation ging es besonders im „do-it-TOGETHER-lab“.

Gemeinsamkeiten in der Vielfalt suchten und fanden die Teilnehmer auch im Workshop „Sterben in Europa“, der mit einem Besuch im europaweit wohl einmaligen Museum für Sepulkralkultur startete. In den Exponaten wurde sichtbar, wie sich christliche Bestattungs- und Friedhofskultur entwickelte und heute neue Einflüsse aufnimmt. Ein ganz anderer Ansatz wurde im Esperanto-Workshop beleuchtet: Mitglieder der Kasseler Esperantogruppe stellten die Kunstsprache vor und übten mit den Teilnehmern einige Sätze ein.

Um diese Vielfalt ganz praktisch zu schützen wurden zudem Zivilschutzspaziergänge um den Rothenberg angeboten.

Von- und miteinander lernen war das Ziel der Programmangebote, die sich über zwei Tage zogen, doch auch gemeinsam Feiern gehört dazu. Dafür stand der abschließende Samstagabend zur Verfügung. Zuvor hatte man sich gegenseitig von zu Hause mitgebrachte Spezialitäten angeboten. (jda)